Der Neuaufbau jüdischer Gemeinden nach 1945

In den ersten Jahren nach Kriegsende und auch in der Zeit danach war die jüdische Bevölkerung in Deutschland nicht nur demographisch äußerst heterogen, sie war es auch in organisatorischer Hinsicht. Bereits in den ersten fünf Jahren nach Kriegsende hatte die deutsche Restgruppe damit begonnen, die alten Gemeinden wieder aufzubauen. Bereits 1945 waren 51 jüdische Gemeinden wieder gegründet worden, 16 weitere folgten ein Jahr später.[1] Dabei konnten sie von ihrem Staatsbürgerschaftsrecht Gebrauch machen und gründeten, als Körperschaften des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.), juristisch geschützte Gemeinden.

 

Neuaufbau jüdischer Gemeindestrukturen

Es hatte sogar oft nur wenige Tage gedauert von der Befreiung durch die alliierten Truppen bis zu (provisorischen) Neukonstituierungen jüdischer Gemeinden. Ein keineswegs ungewöhnliches Beispiel stellt die Stadt Köln dar: Am 6. März 1945 nahmen amerikanische Soldaten die Stadt ein, am 11. April erhielten die Juden der Stadt von den Besatzern die Erlaubnis, Gottesdienste abzuhalten, und schon am 29. April fand im Luftschutzkeller der zerstörten liberalen Synagoge in der Roonstraße die Gründungsversammlung der jüdischen Gemeinde mit Vorstandswahlen statt. Dieser „Provisorische Vorstand der Jüdischen Gemeinde Köln“ forderte auf dieser Sitzung die Einsetzung eines jüdisches Dezernats, das sich um die Instandsetzung jüdischer Friedhöfe sowie um die Einrichtung eines Betsaals kümmern sollte.[2] In Frankfurt fand der erste jüdische Gottesdienst am 1. April statt, und schon ab dem 15. Mai können regelmäßige Gottesdienste im Gebäude des ehemaligen Kindergartens Baumweg nachgewiesen werden. Im November 1945 wurde Dr. Leopold Neuhaus zum Vorsitzenden des ersten provisorischen Gemeindevorstands gewählt.[3] Ostjuden, die nicht in den DP-Lagern lebten, gründeten in der Regel Jüdische Komitees – v.a. da ihnen die Aufnahme in die schon bestehenden Gemeinden häufig verweigert wurde. Als Konsequenz der gegenseitigen Abneigung entstanden in manchen Städten zunächst zwei unterschiedliche Gemeinden.[4] Auch die kulturelle Verteilung in den Städten differierte enorm: Während das Gesamtverhältnis zwischen Restgruppe und Ostjuden zahlenmäßig relativ ausgeglichen war, so deutlich machte sich bei der Zusammensetzung der Gemeinden ein klares Nord-Süd-Gefälle bemerkbar. In Bayern machten die Ostjuden 1949 93,7% der jüdischen Gesamtbevölkerung aus, in Württemberg dominierten sie mit 81,6%. Dagegen betrug ihr Anteil in Berlin nur 29,6%, in Niedersachsen 24,4% und in Nordrhein-Westfalen 13,8%.[5] Im Aufbau der jüdischen Nachkriegsgemeinden spielten diese regionalen Unterschiede eine nicht zu unterschätzende Rolle. Deutliche Hinweise sind, dass sich zuerst die „Allgemeine Jüdische Wochenzeitung“ und später der „Zentralrat der Juden in Deutschland“ in Düsseldorf niederließen, während in München, das sich bis heute als orthodoxes Zentrum des Judentums in Deutschland empfindet, noch bis in die siebziger Jahre eine jiddische Zeitung erschien. In jeder Gemeinde herrschte regional bedingt, so kann man folgern, eine eigene (kulturelle) Atmosphäre.  

Im Jahr 1948 bestanden in Deutschland bereits wieder über 100 jüdische Gemeinden.[6] Allerdings waren in diesen, wie auch in Frankfurt und Köln - mit Ausnahme Berlins -, die Zahlen der Mitglieder äußerst bescheiden: in Köln betrug die Mitgliederzahl noch im Februar 1946 nicht mehr als 80 Personen[7], die Frankfurter Gemeinde zählte in der Zeit von August bis Dezember 1945 immerhin schon zwischen 500 und 600 Mitglieder.[8] Die große Mehrzahl zählte aber nicht einmal mehr als 50 Mitglieder. Diese Zusammenschlüsse resultierten dabei zum einen aus den individuellen Bedürfnissen der Überlebenden nach Nähe zu Schicksalsgefährten und zum anderen auch aus deren religiösem (Nachhol-) Bedarf. „Sie waren vor allem Stellen, die Juden soziale Hilfe leisteten und ihnen zudem ein religiöses Zentrum boten. Die ersten jüdischen Institutionen [...] waren soziale Einrichtungen und eben nicht neue Synagogen und Gemeindezentren, sondern Altersheime.“[9] Vielleicht gerade aufgrund der geringen Eigenkapazitäten der einzelnen Gemeinden[10]  konnte rasch ein regionaler Überbau initiiert werden. Schon ein Jahr nach Kriegsende war die Mehrzahl der neu gegründeten Gemeinden in Landesverbänden zusammengeschlossen.[11] Die treibende Kraft dieser Organisationen, so vermutet Harry Maor, war dabei in den meisten Fällen die jeweils größte Gemeinde, die während der Aufbauphase ebenso oft auch die einzige Gemeinde des Landes überhaupt war.[12] Die zunächst provisorisch gedachte Struktur dieses Überbaus der Gemeinden hat sich bis heute nahezu unverändert als gültig erwiesen.

 

Neue Aufgaben für die Gemeinden

Sowohl die Neuorganisationen der Gemeinden und Landesverbände durch die Restgruppe als auch die Organisation der DPs in (Lager-)Komitees und zonalen Zentralkomitees der befreiten Juden durch die Ostjuden waren spontan, ohne klare Konzeption und unkoordiniert. Primär erfüllten sie, um es noch einmal zu betonen, vor allem den Zweck, die große physische bzw. psychische und materielle Not der Überlebenden zu lindern und diese kollektiv auszudrücken. Von Anfang an drängte sich den Gemeinden und Komitees damit ein neuer Aufgabenbereich auf: die Fürsorge und Pflege der Kranken und der alten Menschen, die nicht mehr in der Lage waren, auszuwandern. Neben den nicht vorhandenen Eigenkapazitäten der Gemeinden fehlten diesen obendrein noch die finanziellen Mittel, um den dringenden Aufgaben im sozialen Sektor nach zu kommen. So konnten beispielsweise 90% der 1947 in Deutschland sich aufhaltenden Juden ihren Lebensunterhalt nicht ohne fremde Unterstützung bestreiten.[13] Wie die Beispiele aus Frankfurt und Köln zeigten, galten die ersten Handlungen der Wiederherstellung „jüdischer Normalität“. So sollten sowohl Gottesdienste als auch Bestattungen wieder einen halbwegs würdigen Rahmen erhalten und nach jüdischen Vorschriften abgehalten werden, weshalb v.a. ehemaligen Besitztümer der Gemeinden (sowohl Gebäude als auch Kultgegenstände[14]) zurückgefordert wurden. Gerade diese Rückkehrversuche zu den traditionellen Praktiken des Judentums müssen aber überraschen, da bekanntlich die größte Gruppe der überlebenden Juden in Mischehe lebte und der jüdischen Religion in den Jahren vor dem Holocaust eher distanziert gegenüber stand.[15] Anzunehmen ist, dass die Erfahrungen des Holocaust die vorher bestehende Distanz zum Judentum verringert, wenn nicht ganz aufgehoben haben.[16]

Am Anfang neuen institutionellen Lebens stand also die allumfassende Not der Juden in Deutschland. Deutlich wird das auch in einem Artikel, den Karl Marx im November 1946 im „Jüdischen Gemeindeblatt“[17] veröffentlichte: „Man überließ die Juden nach der Befreiung ihrem Schicksal. Die Alliierten hielten es für ihre selbstverständliche Pflicht, ihre Landsleute auf dem schnellsten Weg aus den Konzentrationslagern zu nehmen und sie heimzuführen. Die deutschen Juden mußten ihren Weg nach Hause alleine antreten. Die einzige Hilfe, die ihnen gegeben wurde, war die Hilfe, die diejenigen Juden brachten, die sich in den letzten Jahren des nationalsozialistischen Regimes versteckt halten konnten. [...] Die erste Hilfe in Form von zusätzlichen Nahrungsmitteln und den notwendigen Bekleidungsstücken brachte der American Joint. [...] Aber es bildete sich keine Gruppe in Deutschland, die sich mit der Frage beschäftigte, wovon diese Menschen, denen der Nationalsozialismus alles genommen hat, sich ihr Heim einrichten oder sich wieder eine Existenz schaffen konnten.“[18]

Der Mangel an einheitlicher Organisation, der hier von Karl Marx beklagt wird, der drastisch veränderte Charakter der in Deutschland lebenden Juden und nicht zuletzt die bürokratische Notwendigkeit, die Gemeinden oder Zentralkomitees gegenüber den Alliierten, den internationalen jüdischen Organisationen und später den deutschen Behörden zu vertreten, erforderte das Auftreten von vermittelnd agierenden Führungspersonen, die Y. Michal Bodemann in Anlehnung an den Politikwissenschaftler Max Weber „charismatische Vermittler“ nannte.[19] Eine besonders schillernde Rolle nahm Philipp Auerbach ein, der zunächst im März 1946 erster Vorsitzender des Landesverbandes Nord-Rheinprovinz und, nach seinem Umzug nach Bayern, wenige Wochen später auch Vorsitzender des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinde Bayerns wurde. Andere Beispiele für den Typus des „charismatischen Vermittlers“ sind Norbert Wollheim als Vorsitzender des Rats der jüdischen Gemeinde in der britischen Zone,  Hans-Erich Fabian als erster Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Berlins, der schon erwähnte Josef Rosensaft als Vorsitzender der Befreiten Juden in der britischen Zone, Rabbiner Wilhelm Weinberg in Frankfurt oder Karl Marx, der Gründer und Herausgeber der „Allgemeinen“ in Düsseldorf.

 

Charismatische Vermittler

Die Entwicklung der Nachkriegsgemeinden war in überwiegenden Teilen eine Entwicklung von unten, d.h. mit basisdemokratisch-orientierten Strukturen, die repräsentiert wurde von charismatischen Vermittlern. Diese Vermittler und andere Personen bauten trotz der kulturellen Diversität der jüdischen Minderheit in Deutschland und der weitgehenden politisch-sozialen Isolierung die Strukturen in den Gemeinden im Zeichen des Provisorischen in den drei Westzonen wieder auf, was 1947 zunächst zur Bildung der Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Gemeinden und schließlich am 19. Juli 1950 zur konstituierenden Sitzung des Zentralrats der Juden in Deutschland führte. Jedoch hatten viele dieser charismatischen Vermittler die Bundesrepublik zumeist zwischen 1949 und 1951 verlassen, weshalb es nahe liegt zu vermuten, dass viele dieser Aktivisten den Aufbau der Gemeinden als Option verstanden hatten, die überlebenden Juden zu sammeln und sie auf ein neues Leben in Palästina oder einem anderen Land vorzubereiten. Viele der „Vermittler“ also gingen - der verbliebene Rest jedoch blieb mitsamt des vollzogenen ethnischen Bruchs verweilend, „auf den gepackten Koffern sitzend“, zurück.[20]

Anfang des Jahres 1950 lebten nur noch rund 25.000 Juden in der soeben gegründeten Bundesrepublik. Der vielerorts als Provisorium gedachte Wiederaufbau jüdischer Gemeinden in der Bundesrepublik hatte sich deutlich gefestigt, die Gemeinden hatten langsam begonnen, Wurzeln zu schlagen und durch die Landesverbände einen ersten organisatorischen Überbau erhalten. Schon zu diesem Zeitpunkt deutete sich an, dass auch nach Krieg und Besatzungsphase weiter mit einer permanenten, wenn auch kleinen jüdischen Minderheit in Deutschland zu rechnen sein würde. Aber „ab etwa 1949 verloren die Juden in der Bundesrepublik ihre Verbündeten und damit ihre starke Stellung: Die Alliierten sahen die neue Bundesrepublik nun als wichtigen Verbündeten und beendeten deshalb ihre Selbstdefinition als anti-nazistische Kraft in Deutschland – aus jüdischer Sicht wechselten sie das Lager von der jüdischen zur deutschen Seite.“[21] Zudem begannen sich zum gleichen Zeitpunkt die internationalen jüdischen Hilfsorganisationen wie die Jewish Agency, der JOINT, die Hebrew Immigrant Aid Society, die Organisation through Rehabilitation and Training (ORT) oder das American Jewish Committee (AJC)[22] u.a. aus Deutschland und damit auch von den immer noch in Deutschland lebenden Juden zurück zu ziehen.

Der Druck auf den winzigen Haufen der jüdischen Minderheit in Deutschland wuchs noch mehr, denn Anfang 1950 verabschiedete der Jüdische Weltkongress in Frankfurt am Main eine Resolution, nach der jüdische Organisationen in Deutschland nur Interimscharakter haben sollten: Wenn sie dem letzten Juden zur Ausreise aus Deutschland verholfen hätten, würden sie sich auflösen („Liquidationsgemeinden“). Walter Oppenheimer schreibt, „Deutschland würde ein weißer Fleck im jüdischen Bewußtsein werden – ein Gebiet außerhalb der bekannten und zu bekennenden Welt.“ Dies sei unzweifelhaft die vorherrschende Meinung unter den Juden in der Welt gewesen, denn „dort [in Israel, d. Verf.] gab es ja kaum einen Menschen, der nicht nahe Verwandte durch deutsche Hand verloren hatte.“[23] Jüdisches Leben sollte in Deutschland „endgültig vorbei sein“[24], wobei gerade die massiven Pressionsversuche zur Auflösung der jüdischen Gemeinden Deutschlands deren provisorischen Charakter zunehmend deutlich machten.[25]

Autor: Florian C. Knab

 

Literatur

Brenner, Michael: Juden in Deutschland 1945-1950. München 1995.

Brumlik, Micha/Kiesel, Doron/ Kugelmann, Cilly/ Schoeps, Julius H. (Hg.): Jüdisches Leben in Deutschland seit 1945. Frankfurt/Main 1988.

Bodemann, Y. Michal: Die Endzeit der Märtyrer-Gründer. An einer Epochenwende jüdischer Existenz in Deutschland. in: Babylon. Beiträge zur jüdischen Gegenwart. Nr. 8/1990, S. 7-15.

Bodemann, Y. Michal: In den Wogen der Erinnerung. Jüdische Existenz in Deutschland, München 2002.

Burgauer, Erica: Jüdisches Leben in Deutschland (BRD und DDR) 1945-1990. Dissertation Universität Zürich 1992.

Elbogen, Ismar/Sterling, Eleonore: Die Geschichte der Juden in Deutschland, Hamburg 1993

Gay, Ruth: Das Undenkbare tun. Juden in Deutschland nach 1945. München 2001.

Maor, Harry: Über den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden in Deutschland seit 1945. Dissertation Universität Mainz 1961, bis heute unveröffentlicht.

Nachama, Andreas: Aufbau nach dem Untergang. Deutsch-jüdische Geschichte nach 1945, Berlin 1992

Romberg, Otto R./Urban-Fahr, Susanne (Hg.): Juden in Deutschland nach 1945. 2. Auflage Bonn 2000, 1. Auflage Frankfurt/Main 1999

 

Anmerkungen

[1] Harry Maor, Über den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden in Deutschland seit 1945, S. 159, Anm. 1.

[2] Günter Bernd Ginzel, Phasen der Etablierung einer Jüdischen Gemeinde in der Kölner Trümmerlandschaft 1945-1949, in: Köln und das rheinische Judentum. Festschrift Germania Judaica 1959-1984, Köln 1984, S. 445.

[3] Alon Tauber, Die Entstehung der Jüdischen Nachkriegsgemeinde 1945-1949, in: Jüdisches Museum Frankfurt am Main (Hrsg.), Wer ein Haus baut, will bleiben. 50 Jahre Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main. Anfänge und Gegenwart, Frankfurt/Main 1998, S. 98-110, S. 99.

[4] z.B. in Stuttgart, Augsburg, Kassel, Hamburg usw.

[5] Michael Brenner, Nach dem Holocaust, S. 68.

[6] Diese Zahl versteht sich inkl. der „Komitees“, d. Verf.

[7] Günter Bernd Ginzel, Phasen der Etablierung einer Jüdischen Gemeinde in der Kölner Trümmerlandschaft 1945-1949, in: Köln und das rheinische Judentum. Festschrift Germania Judaica 1959-1984, S. 445.

[8] Alon Tauber, Die Entstehung der Jüdischen Nachkriegsgemeinde 1945-1949, in: Jüdisches Museum Frankfurt am Main (Hrsg.), Wer ein Haus baut, will bleiben. 50 Jahre Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main. Anfänge und Gegenwart, S. 98-110, S. 100.

[9] Ignatz Bubis im TRIBÜNE-Gespräch, in: Romberg/Urban-Fahr, Juden in Deutschland nach 1945, S. 12.

[10] Gemeint sind damit Räumlichkeiten, d.h. Gemeindehäuser, Synagogen bzw. Beträume, usw. Die meisten dieser Gebäude waren aber zerstört oder zweckentfremdet. Noch heute finden sich in Deutschland ehemalige Synagogen, die als Ställe, Lagergebäude oder ähnliches benutzt werden.

[11] Die ersten Landesverbände entstanden in Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden, Württemberg und in der Nord-Rheinprovinz (heutiger Landesverband Nordrhein). Harry Maor erwähnt für 1961 folgende Landesverbände: Oberrat der Israeliten Badens (Sitz: Karlsruhe), Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern (München), Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen (Frankfurt)

[12] Harry Maor, Über den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden seit 1945, S. 88.

[13] Kurt. R. Grossmann, Die jüdischen Auslandsorganisationen und ihre Arbeit in Deutschland, in: Heinz Ganther (Hg.), Juden in Deutschland 1952 – ein Almanach. 2. Auflage Hamburg 1959, S. 151.

[14] Im westfälischen Warendorf rettete ein mutiger Augenzeuge nach der Zerstörung der dortigen Synagoge eine der schweren Pergamentbibeln sowie einige Gebetsbücher. Kaum war Hugo Spiegel, der Vater Paul Spiegels, wieder nach Warendorf zurückgekehrt, bekam er die gerettete Thorarolle und die Gebetsbücher überreicht, so dass schon am 7. September 1945 der erste jüdische Gottesdienst in Warendorf nach dem Krieg abgehalten werden konnte. vgl. Paul Spiegel, Wieder zu Hause? Erinnerungen, S. 86ff.

[15] vgl. Kapitel 4.2.1.

[16] Dies ging aber nicht einher mit zunehmenden jüdisch-religiösem Wissen bzw. Interesse an jüdischer Religiösität. Vgl. Kap. 5.4.

[17] Später „Allgemeine Jüdische Wochenzeitung“, d. Verf.

[18] Karl Marx, Wir, die deutschen Juden, in: Giordano, 15 Jahre Allgemeine, S. 15.

[19] vgl. das Kapitel über die charismatische Herrschaft in: Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie, 5. revidierte Auflage, Tübingen 1972, S. 140ff.

[20] Die Führung der Gemeinden fluktuierte in den ersten Jahren so stark, weil der Auswanderung und sich bietenden Möglichkeiten im Ausland Priorität gegenüber der Übernahme von Verantwortung in der Gemeinde eingeräumt wurde.

[21] Y. Michal Bodemann, Die Endzeit der Märtyrer-Gründer. An einer Epochenwende jüdischer Existenz in Deutschland, in: Babylon. Beiträge zur jüdischen Gegenwart, Nr. 8, S. 7-15, S. 9.

[22] Die ersten Mitarbeiter des JOINT trafen erst am 13. Juni 1945 im ehemaligen KZ Buchenwald ein. Nach 1945 leistete der JOINT dank umfangreicher Spendenaufkommen in den Vereinigten Staaten die umfangreichste Hilfe für die Überlebenden. vgl. Königseder/Wetzel, Lebensmut im Wartesaal, S. 58ff.

[23] Walter W. Jacob Oppenheimer, Jüdische Jugend in Deutschland, S. 11.

[24] Paul Spiegel, Wieder zu Hause? Erinnerungen, S. 106.

[25] Diese Situation belastet der Verhältnis zwischen Israel und der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland bis heute, d. Verf.